SEO overoptimization – ich kriege nie genug!
Geschrieben von Jonas Weber am 16. August 2011 | Abgelegt unter Allgemein, Google, Suchmaschinen-Optimierung
SEO overoptimization. Ein Phänomen, das in der SEO Branche weit verbreitet ist. Warum passiert es, warum kriegen manche SEO’s nicht genug, sind zu gierig, wollen es zu perfekt machen? Ein paar Gedanken, die eine Rolle spielen könnten.
5 mögliche Gründe dafür:
1. Bei der Konkurrenz funktioniert es auch
Die Konkurrenz betreibt auch Linkeinkauf? Im Title steht auch 3 Mal das Keyword? Und trotzten ranken Sie? Unsere Meinung: Woher wissen wir, dass die gekauften Links vielleicht nicht schon längst entwertet wurden. Über 200 Faktoren bestimmen das Ranking, nicht nur der Title oder die Keywords auf der Webseite. Im Gegenteil: wird an gewissen Stellen übertrieben, kann das böse enden.
2. Ich habe es auf einem Blog oder Forum gelesen
Wir sollten nicht alles glauben was in den Foren (weniger) und Blogs (schon mehr) steht. Einerseits sind es unqualifizierte und nicht belegbare Kommentare und Meinungen, andererseits werden mit Absicht falsche Fakten gestreut. Selbst in vielen Artikeln in Medien mit hoher Reputation (z. B. FAZ, Spiegel, Handelsblatt etc.), wird nur spekuliert bzw. es werden teilweise die falschen Begründungen wiedergegeben. Es gibt aber auch sehr gute Informationsquellen, es gilt die Spreu vom Weizen zu trennen. Zum Beispiel sind die offiziellen Google-Blogs vielen SEO’s gar nicht bekannt. Und ganz wichtig: bildet Euch eure eigene Meinung.
3. Was Matt Cutts sagt stimmt eh nie
Wie lange predigt Matt schon: “Content is King! Do it vor the User”. Auf jeder SEO-Konferenz werden diese Aussagen nur belächelt. Die meisten Besucher ziehen Black Hat Sessions, die White Hat Business Tracks finden in den kleinsten Meeting Räumen statt. Jeder will Google austricksen, es ist zum (Internet)Volkssport mutiert und erinnert mich an die Steuertrickserei. Und alles was Matt Cutts sagt stimmt eh nicht, es ist eh nur Theorie und man (SEO) kann es unterlaufen. Das mag sogar sein, allerdings habt ihr die Message nicht verstanden: Die Aussagen von Matt und Google sind entweder wahr – oder sie sind das angestrebte Ziel in der Zukunft. D. h. wer nachhaltige und langfristige Suchmaschinenoptimierung betreiben will, ja der sollte genauer hinhören und vieles davon umsetzen.
4. Testing, wo sind die Grenzen
Wir müssen testen, wie Google arbeitet. Es ist wichtig die Grenzen des Erlaubten zu kennen, um SEO Maßnahmen erfolgreich umzusetzen. In Maßen stimme ich dem zu. Allerdings: die Grenzen werden wir nie hundertprozentig ausloten können, dafür kommuniziert Google zu wenig. Oder wer kann mir sagen, welcher gekaufte Link zählt und welcher nicht? Nehmen wir trotzdem an es ist theoretisch möglich die Grenzen durch Testing zu bestimmen: kann Google nicht morgen schon die Grenzen wieder verschieben? So schon passiert zwischen Nicaragua und Costa Rica so nebenbei
– und mit dem Panda Update.
5. SEO ist Rocket Science
Die Zeiten der “schwarzen Magie” sind vorbei. Erfolgreiche Suchmaschinenoptimierung “driftet” immer mehr zu den allgemeineren Disziplinen (Online) Marketing und (Online) Business, vor allem in den stark umkämpften Bereichen. Allein die technische Optimierung mit unheimlich clever verkauften Taktiken wie weiße Schrift auf weißem Hintergrund funktioniert nicht mehr. Die Title-Optimierung haben die meisten umgesetzt, ausreichend Keyworddichte ist auch da. Aus der schwarzen Magie ist solides SEO-Handwerk geworden. Werden gewisse Grundprinzipien allerdings nicht beachtet, dann kann der Webmaster mit kleinen Fehlern eine Website extrem schädigen. Deswegen kann eben doch nicht jeder SEO und die Onlinewelt braucht weiterhin Experten für Canonicals, Robots.txt, etc.
5 mögliche Gründe dagegen:
1. User bzw. Kunde
Manche Seiten stinken. Ja sie stinken so extrem nach SEO, weil die Grundprinzipien, um einen Leser und potentiellen Kunden, online auch User, zufrieden zu stellen, einfach vergessen werden. Es wird weniger für den Benutzer optimiert und mehr für die Maschine. Kurzfristig mag das manchmal erfolgreich sein, nachhaltig ist dieser Weg eher nicht. Jedes gesunde Geschäftsmodell lebt von treuen und zufriedenen Kunden. Stichwort. Customer Lifetime Value.
2. Filter oder manuelle Penalty
Wer es übertreibt, den kann es erwischen. Das ist nicht neu. “Alle SEO’s stehen vor dem Abgrund, nur nicht Peter, der geht noch nen Meter.” Uralter und schlechter Witz, aber wahr. Ein Gewisser “Graubereich” bei Google lässt uns spekulieren, viele SEO’s gehen zu weit und es knallt. Bleibt im sichtbaren Bereich, wandert nicht blind durch den Nebel. Bei unseren ersten Kunden haben wir “deoptimiert” – das war Online-Wiederbelebung und harte Arbeit. Es muss nicht soweit kommen.
3. Linkwert bzw. -entwertung
“Wir kaufen 100% Links, bestimmt zählen davon einige nicht, sagen wir mal 50%, d. h. 50% der Links zählen noch.” Das ist auch eine Betrachtungsweise und Strategie. Können wir in 6 Monaten auch noch garantieren, dass 50% der Links Linkpopularität fließen lassen. Helfen würde mir auch, wenn ich wüsste, welche 50% zählen und welche nicht. Geld für Links zu investieren, die entwertet sind? Das lohnt sich nur, wenn diese Links relevante Besucher auf meine Website bringen. Und genau darauf hat der SEO beim googlekonformen Linkbuilding zu achten.
4. Brand und Vertrauenswürdigkeit
Ich sitze gerade im Flugzeug, bin offline und überlege mir, welche Keyworddomain mit 2 Begriffen mir als Marke geläufig ist? Keine. Welche Keyworddomain mit einem Wort habe ich in den letzten Wochen weiterempfohlen? Keine. Ich benutze Google Produkte, fliege Lufthansa, lese Spiegel, kaufe bei Amazon, fahre Audi, etc. In der Firma benutzen wir Nischenmarken wie Billomat, Mite, Wuala oder Sistrix. Die letzten Preise habe ich auf Idealo.de verglichen. All diese Seiten und Produkte sind qualitativ hochwertig, deswegen kann ich diese ohne Online-Recherche nennen, beschreiben und weiterempfehlen. Auch diese Firmen und Produkte investieren in Suchmaschinenoptimierung. Mit mehr Marken in den Toppositionen erhöht Google die Qualität im Index. Marken können es sich (fast) nicht erlauben zu überdrehen. Sie haben den Vertrauensvorsprung, den es zu verteidigen und auszubauen gilt.
5. Opportunitätskosten
Schon zu meiner Zeit bei Google habe ich oft geschmunzelt. Wow, sind manche SEO’s kreativ. Sie finden Methoden, den Algo zu manipulieren, die sehr beeindruckend sind. Und die tatsächlich kurz- bis mittelfristig funktionieren. Bis Google den Riegel vorschiebt. Die Arbeit ist dann für die Katz. Die hier investierte Zeit hätte auch in eine kreative Idee mit Mehrwert für den Benutzer fließen können. Setzen wir einen bestimmten betrag X als internen fiktiven Stundenlohn, dann rechnen sich wohl viele SEO-Projekte nicht. Über diese Projekte lesen wir nicht viel in den Foren. Sie sind aber ganz gewiss in der Überzahl.
Fazit: Konzentriert euch auf das Wesentliche, eure User und Kunden. Und glaubt nicht alles was erzählt wird – außer bei Matt Cutts ☺
Was sind eure Erfahrungen mit Überoptimierung?
Hier noch ein Musikvideo aus der Stadt mit der wohl größten SEO-Dichte, das ganz gut zum Thema passt (der overoptimization-SEO ersetzt das Wort „Sonnenbrand“ mit z. B. „Links“)










