Transparenz beim Linkaufbau

Geschrieben von Jonas Weber am 17. November 2009 | Abgelegt unter Google, Suchmaschinen-Optimierung

Vor kurzem habe ich dem Chefredakteur der Internet World Business meine Meinung zu einem seiner Artikel zugeschickt. Bis heute hat er ihn leider nicht beantwortet. Stattdessen ist der Text als Leserbrief in verkürzter Form in der letzten Ausgabe der IWB erschienen. Immerhin, viel mehr kann man wohl nicht verlangen.

Trotzdem: Die fett markierten Abschnitte wurden nicht veröffentlicht. Da gerade der letzte Abschnitt auch die Recherche der Internet World Business kritisiert, finde ich es schade, dass dieser entfernt wurde und man nicht zu Kritik steht. So hat man den Anschein, dass ich nur den SEO-Dienstleister kritisieren wollte. Mir geht es aber um das Thema an sich: Transparenz von SEO-Dienstleistern beim Linkaufbau. Deswegen habe ich die Beteiligten auch geschwärzt bzw. durch Variablen ersetzt.

Leserbrief in der Internet World Business

Leserbrief in der Internet World Business

Sehr geehrter Herr Z,

Laut Internet World Business 21/09 haben Sie den Artikel zur Agenturwahl in der SEO-Branche verfasst. In dem Special haben Sie u. a. Herrn X von der Y GmbH interviewt.

Bei allem Respekt, ich denke, dass seine Aussage zur dritten Frage nicht so stehen gelassen werden kann. Die Aussage, dass Agenturen aufgrund von Wettbewerbsvorteilen die Linkliste nicht an ihre Kunden kommunizieren können, kann ich nicht unterstützen. Genau mit diesen Methoden wird die SEO-Branche ihren „zwielichtigen“ Ruf nicht abschütteln können. Transparenz gegenüber dem Kunden ist eine sehr wichtige Maßnahme, um den schlechten Erfahrungen mancher Betriebe hier entgegen zu wirken. Mich enttäuscht, dass gerade der SEO-Verantwortliche des BVDW so eine Aussage trifft.

Gerade aufgrund von minderwertigen Linkstrategien der Agenturen, die nicht den Google Richtlinien entsprechen, werden viele Kunden von Google abgestraft. Ich spreche aus Erfahrung, ich war selbst im Search Quality Team von Google tätig, auch in diesem Bereich. Es war und ist keine Seltenheit, dass SEO-Agenturen mit „schwarzen oder grauen“ SEO-Methoden die Website des Kunden aus dem Google-Index gekegelt und somit deren Existenz leichtfertig gefährdet haben. Sie verweisen im Artikel auf eine bekannte Agentur, es gibt leider noch viele andere.

Ich kann Kunden nur empfehlen, dass sie ihre SEO-Agentur vertraglich dazu verpflichten, eine Linkliste preiszugeben. SEO ist ein Teil des Online-Marketings und Online-Marketing ein Teil des Marketings. Der Marketingleiter eines konservativen DAX-Unternehmens wäre entsetzt, wenn eine Anzeige oder Artikel in einem nicht passenden Medium erscheinen würde, den er selbst hätte steuern können (z. B. in der Pressearbeit üblich). Wie im altbekannten Marketingbereich sollten Unternehmen auch hier die Zügel in der Hand behalten und potentielle Links gegebenenfalls sogar freigeben bzw. ablehnen. Stichwort Reputation Management. Minderwertige Links in 1000 Bookmarking-Verzeichnissen nutzen keinem Unternehmen, Links aus Russland auch nicht.

Auch ist die Behauptung „die Google Richtlinien sind eindeutig“ gerade in Bezug auf den Linking Bereich schlichtweg falsch. Herr X kann das gar nicht genau wissen, ab welchem Punkt Google hier Maßnahmen ergreift. Die Google Richtlinien sind nicht ohne Grund sehr allgemein gehalten.

Es ist schade, dass Sie zu diesem brisanten Thema (die Umfrageergebnisse sind erschreckend) nur die Meinung eines einzelnen SEO-Dienstleisters eingeholt haben. Vor allem deswegen, da in der Branche in letzter Zeit das SEO-Zertifikat des BVDW stark kritisiert wurde. Ebenfalls vermisse ich eine Stellungnahme einer verantwortlichen Person von Google oder anderer Suchmaschinen.

Was halten Sie von einer Diskussionsrunde zu diesem doch sehr wichtigen Thema? Es könnten einige Experten aus verschiedenen Bereichen eingeladen werden?

Ich freue mich auf Ihr Feedback.

Mit freundlichen Grüßen,

Jonas Weber

3 Kommentare zu “Transparenz beim Linkaufbau”

  1. am 17. November 2009 um 21:37 1.der-Heiko schrieb …

    MoinMoin Jonas,

    Zitat “Was halten Sie von einer Diskussionsrunde zu diesem doch sehr wichtigen Thema?” Zitat Ende

    Nun, böse gesprochen ist doch diese Löschung Deines Vorschlags bereits eine aussage.

    Ich habe vor etwa einem Jahr die IWB abbestellt da mein Feedreader eh alle für mich wichtigen Inhalte günstiger, genauer und schneller aufbereitet hat — und das komplett ohne die vor-gefilterte Meinung eines Redakteurs, der auch auf seine Werbekunden achten muss.

    Ich persönlich begrüße ebenfalls eine transparente Vorgehensweise, sehe mich im Agenturalltag aber auch heute noch immer wieder mit der Frage konfrontiert a la :”bei Ebay gibts 1000 Suchmaschineneinträge für 39,95€, warum verlangen Sie so viel”…

    Medallien haben immer mehr als eine Seite…

    Grüssle Heiko

  2. am 18. November 2009 um 11:02 2.uberVU - social comments schrieb …

    Social comments and analytics for this post…

    This post was mentioned on Twitter by webhelps: Transparenz beim Linkaufbau (Leserbrief in der IWB) http://www.webhelps.de/blog/2009/11/17/transparenz-beim-linkaufbau/...

  3. am 10. Dezember 2009 um 12:54 3.Peter schrieb …

    @der Heiko
    Die Frage “bei Ebay gibts 1000 Suchmaschineneinträge für 39,95€, warum verlangen Sie so viel” lässt sich allein mit den in diesem Blogeintrag/Leserbrief geäußerten Argumenten schlüssig beantworten.
    > Medallien haben immer mehr als eine Seite
    Ja, genau 2. Ich versteh das in diesem Zusammenhang aber nicht. Was hat das eine mit dem anderen zu tun?

    Die IWB und deren Geschäftsmodell finde ich auch “leicht” anrüchig.

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